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4. August 2026·5 Min. Lesezeit

Warum bin ich zu Hause so gereizt, obwohl im Job alles läuft?

Im Job hältst du die Fassung. Zu Hause reicht eine Kleinigkeit und du gehst hoch. Das hat einen Grund. Und es liegt nicht an dir.

Gina GerhardtGina Gerhardt
Eine nachdenkliche Frau in einem ruhigen Moment
Ich war nicht immer so ruhig, wie ich heute wirke. Es gab eine Zeit, da reichte ein umgefallenes Glas, und ich bin ausgeflippt. Nicht mit meinem Mann, nicht mit den Kindern. Mit mir selbst. Das Glas fiel, und ich war schon weg.
Wenn du das kennst, dieses Hochgehen bei einer Kleinigkeit, die es objektiv nicht wert ist, dann lies weiter. Ich erzähl dir, warum das passiert. Nicht aus dem Lehrbuch, sondern weil ich mittendrin war.
Das Wort „immer“ ist dabei der wichtigste Teil. Es wird ja nicht einmalig schlimm, es wird schleichend mehr. Ein System, das nie richtig runterfährt, lädt sich nicht auf. Es sammelt. Jeder Tag legt eine Schicht drauf, die nachts nicht abgebaut wird. Die Schwelle, ab der du hochgehst, sinkt immer weiter. Was vor einem Jahr ein Schulterzucken war, ist heute die Kanone.
Es braucht nicht mal ein Gegenüber
Wir denken bei „gereizt“ immer an Streit. An jemanden, der uns triggert. Aber das Fiese ist: Am Ende reicht der Reiz allein.
Bei mir war es der Alltag mit einem Baby, schwanger mit dem nächsten, mein Mann vierzehn Stunden auf Schicht, keine Familie in der Nähe. Bei dir ist es vielleicht der Feierabend nach einem vollen Tag, die Mail um 18 Uhr, der Wäscheberg. Die Auslöser sind verschieden. Der überreizte Körper dahinter ist derselbe.
Ein voller Eimer läuft über, egal welcher Tropfen der letzte ist. Und wenn er überläuft, ist kein Mensch nötig. Das Glas fällt um. Das reicht. Ich habe das damals als Charakterfehler gelesen. Dabei war ich nur ein Körper ohne Reserve.
Ich habe alles versucht, was man so versucht
Ich bin nicht direkt beim Körper gelandet. Ich habe den Umweg genommen, den fast alle nehmen.
Gesprächstherapie. Hat mir nichts gebracht. Yoga, Meditation, mich im Spiegel affirmieren, das fand ich ehrlich lächerlich. Ich habe verstanden, warum ich so reagiere. Und beim nächsten umgefallenen Glas ist es trotzdem passiert.
Weil Verstehen im Kopf sitzt. Und die Reaktion kommt aus dem Körper, lange bevor der Kopf mitredet. Was bei mir zum ersten Mal wirklich etwas verschoben hat, war EFT, das Klopfen auf bestimmte Punkte am Körper. Zum ersten Mal setzte ich nicht am Kopf an, sondern direkt am System, das den Alarm auslöst.
Das schlechte Gewissen macht es schlimmer, nicht besser
Nach dem Hochgehen kam bei mir sofort das schlechte Gewissen. Und dann wollte ich es wiedergutmachen. Noch mehr für alle da sein, noch mehr rechtmachen, mich noch mehr zusammenreißen.
Das klingt vernünftig. Ist aber genau der Motor der Spirale. Denn jedes „ich reiß mich jetzt noch mehr zusammen“ legt neue Spannung auf ein System, das eh schon voll ist. Du machst den Eimer nicht leerer. Du füllst ihn schneller.
Bei mir sah das so aus: Wenn das Einschlafen der Kinder länger dauerte als geplant, bin ich an mein absolutes Maximum gegangen. Und danach hab ich mich mit meinem Mann gestritten. Nicht weil er was gemacht hat. Sondern weil ich leer war und das schlechte Gewissen mich noch weiter reingedrückt hat.
90 Sekunden, bevor du wiedergutmachen willst
Der Reflex nach dem Hochgehen ist sofort da: schnell wiedergutmachen, entschuldigen, alles glätten. Genau der Reflex füttert die Spirale.
Probier stattdessen etwas anderes. Wenn das schlechte Gewissen kommt, gib ihm 90 Sekunden. Tu in dieser Zeit nichts. Kein Wiedergutmachen, kein inneres Fertigmachen. Die Welle im Körper ist Chemie, und die ist nach ungefähr anderthalb Minuten von selbst durch.
Und dann, wenn du wieder klar bist, schau hin, was das Gefühl dir eigentlich sagen will. Hast du vorher keine Grenze gesetzt und deshalb bis zum Maximum durchgehalten? War die Aufgabe, an der du zerbrochen bist, überhaupt deine, oder hätte sie genauso gut dein Partner übernehmen können? Warst du längst leer, bevor die Kleinigkeit kam?
Das schlechte Gewissen zeigt selten deinen Charakterfehler an. Es zeigt an, wo vorher eine Grenze gefehlt hat.
Das Ziel ist nicht, nie mehr auszurasten
Hier kommt der Teil, den kaum jemand sagt: Auch heute geht mir manchmal was hoch. Mit einem regulierten Nervensystem, mit erkannten Mustern, mit allem, was ich weiß. Weil Ausrasten zum Menschsein gehört. Eine Welle, die durch den Körper geht, ist keine Störung. Sie ist normal.
Der Unterschied ist nicht, ob die Welle kommt. Sondern was du danach tust. Früher: hochgehen, schlechtes Gewissen, wiedergutmachen, noch mehr zusammenreißen, nächste Welle. Heute: hochgehen, und dann sage ich mir „okay, das war jetzt so“. Kein schlechtes Gewissen. Ich reguliere meinen Körper und frage mich ruhig, wie ich es beim nächsten Mal anders mache.
Geholfen hat mir dabei, mein Nervensystem Stück für Stück zu regulieren. Bei mir liefen mehrere Dinge zusammen: EFT, mit dem ich die Anspannung direkt aus dem Körper klopfe, Bachblüten, wenn ich Unterstützung brauche, und die Muskeltests, mit denen ich austeste, wo noch ein Muster festsitzt. Erst als das System ruhiger war, kam ich überhaupt an die Muster darunter heran. Erst der Körper. Dann das Muster. Nicht die Welle verhindern, sondern sie surfen, statt gegen sie zu kämpfen.
Ein ruhiger Moment zum Innehalten
Du erkennst dich wieder?
In einem 20-minütigen Erstgespräch schauen wir, was bei dir hochkocht und ob mein Weg zu dir passt. Kein Verkaufsgespräch. Ein ehrlicher Blick.
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